Stets zu Ihren Diensten: die Bloggerhotline

Es gibt Manieren über die man eigentlich nicht weiter reden muss. Sollte man meinen. Dazu gehört die Nachbarin im Flur zu grüßen, einer älteren Person seinen Platz anzubieten und „Bitte“ und „Danke“ zu sagen. Mit modernen Kommunikationsmöglichkeiten wurde jedoch die Art und Weise, wie wir miteinander umgehen, auf den Kopf gestellt. Dank Whatsapp, Facebook und Co. kommunizieren wir permanent miteinander. Ein Kurzes „Hallo“ oder „Tschüss“ scheinen dabei überflüssig zu sein. Wozu auch? Dank Snapchat und der Insta Story wissen wir doch genau was jeden bewegt, was ihn beschäftigt und was er tut. Im Prinzip wie bei Freunden, oder nicht? Ist es vielleicht diese fehlende Distanz, die manche Nutzer ihre guten Manieren vergessen lässt?

 


Don`t let the behaviour of others destroy your inner peace


 

Die Ausgangssituation ist im Bereich der sozialen Medien eine alltägliche: es wird für ein Produkt geworben. Lächelnd und mit gutem Feedback wird alles in die Kamera gehalten was man sich nur denken kann. Schuhe, Taschen, Kleidung, Accessoires – diese Woche habe ich bei einer Fashion Bloggerin sogar Reinigungsmittel empfohlen bekommen. Nicht selten ertappe auch ich mich dabei, wie ich sofort nach dem entsprechenden Online Shop google. Ich muss das schließlich auch haben! Wird jetzt dann noch tatsächlich gekauft, ist alles so gelaufen, wie vom Unternehmen geplant. Blogger, Follower und Unternehmen sind glücklich. Soweit so gut. Was man jedoch nicht mitbekommt, sind die vielen Kommentare und Direktnachrichten im Hintergrund. Da wird der Blogger schnell zum Vollzeit Mitarbeiter der Kundenhotline. „Kommt der Pullover nochmal in grau rein?“ – „Kann ich auch mit Kreditkarte bezahlen?“ – „Wird auch ins Ausland versendet?“ sind nur einige der vielen Fragen. Warum nur auf der Homepage nachschauen, schliesslich hat mir der Blogger xy das Produkt ja empfohlen! Schön und gut, so lange wir uns dabei an höfliche Umgangsformen halten. Nicht selten kommt es jedoch (leider) vor, dass diese nicht existieren. Ohne ein nettes „Hallo“ wird barsch gefragt warum es die Jacke in der nahgelegenen Filiale nicht gibt. Besonders ärgerlich ist dieses Verhalten, wenn man das Produkt ohne Gegenleistung vorgestellt hat. Verständlich, dass vereinzelt Blogger ihrem Ärger Luft machen. Bleibt zu hoffen, dass betreffende Personen sich im Real Life anständiger verhalten. Aber warum gibt es eigentlich einen Unterschied zwischen online und offline Manieren? Und warum muss die „Blogger Hotline“ denn länger als jeder Kundenservice geöffnet haben und 24/7 verfügbar sein? Ist es die Angst jemand anderes könnte die Informationen schneller beschaffen und der Gegenstand der Begierde ist dann möglicherweise ausverkauft? Wollen wir so dringend das haben, was andere haben, dass wir sogar unsere gute Kinderstube vergessen?

 


The best apology is changed behaviour


 

Gerade bei Instagram sind wir fremden Menschen so nah, wie sonst nirgends. Wir sehen nicht nur welches Paket heute angekommen ist, welcher Look heute getragen wird oder was gegessen wird. Wir schauen nicht nur zu, wir reden mit. Und genau darüber funktioniert Instagram: den Austausch. Weil sich alle aber so nah sind, vergisst man häufig, dass wir die Person am anderen Ende nicht kennen. Wir kennen einen Ausschnitt ihres Lebens. Den Ausschnitt, den diese Person mit uns zu teilen bereit ist. Nicht mehr und nicht weniger. Und dieser Ausschnitt erlaubt uns nicht zu urteilen oder zu erwarten, dass wir sofort und auf alles eine Antwort bekommen. Eigentlich sollte das aber auch egal sein, denn wir sollten einander immer mit der notwendigen Höflichkeit begegnen. Ob Freundin, Bekannte oder Fremde.

 

Glücklicherweise scheint der Teil der Nutzer, die ihre Manieren regelmässig vergessen, ein kleiner zu sein. Meistens ist der Austausch nicht nur höflich, sondern sehr freundlich. Welche Erfahrungen habt ihr gemacht?

 

 

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. 07/11/2017 / 9:18

    Meine liebe Sabrina,

    ich freue mich wirklich, dass an dieser Stelle jemand Klartext spricht.
    Blogger sind natürlich Werbeträger, repräsentieren Produkte aber nur auf Zeit.
    Selbstverständlich ist das auch bei den Größen der Branche bezahlte Zeit, aber nichtsdestotrotz – seine Manieren zu verlieren und einen auf „Du MUSST mir das sagen“ machen finde ich vollkommen unangebracht.
    Aber schockierender als die Sache mit der Werbung finde ich tatsächlich den Werteverfall der Gesellschaft. Viele sehen Instagram als „richtige“ Realität, dabei zeigt es nur eine Facette des eigentlichen Lebens. Meistens natürlich nur die Schönsten, denn wer will schon die wirklich schlimmen Dramen des Alltags miterleben?
    Eben. Keiner. 😛

    Ich liebe diese Klartext-Kategorie auf deinem Blog! Herrlich ehrlich! <3

    Allerliebste Grüße,
    Deine Susa

    http://www.MISSSUZIELOVES.de

    • lifestyledbys
      07/11/2017 / 14:16

      Danke für dein liebes Feedback Susa :). Ich kann einfach auf Dauer nicht immer nur Trends etc. vorstellen – dazu gibt es zu viele Themen, die mich beschäftigen ;). Der Vorteil ist in den sozialen Netzwerken wohl wirklich, dass man sich erstens wunderschön hinter seinem perfekten Feed und natürlich auch verstecken kann, wenn man schlechte Manieren an den Tag legt. Sollte man kritisiert werden, gibt es ja immer noch die „blockieren“ Funktion…Aber ich denke man sollte da mit gutem Beispiel voran gehen und das versuche ich jeden Tag! Lg, S.

  2. 01/11/2017 / 8:36

    Was für ein großartiger Post meine Liebe! Echt super schön geschrieben! Diese Erfahrung habe ich auch gemacht-sehr oft. Ganz besonders bei Instagram bekomme ich viele Nachrichten und manche davon sehen tatsächlich so aus: wo gibt es den Pulli
    Kein hallo, keine Satzzeichen, kein liebe Grüße- nix. Lustigerweise wird der Ton sofort freundlich und höflich sobald ich die gewünschte Information geliefert habe.
    Grundsätzlich helfe ich immer gern, auch wenn es sich um eine Frage handelt, deren Antwort man sich selbst beschaffen könnte. Aber ein höflicher Umgangston wäre schon wünschenswert.

    Mehr von diesen Artikeln bitte!

    xx
    Verena

    http://www.my-philocaly.com

    • lifestyledbys
      06/11/2017 / 9:47

      Hallo Verena,

      danke erstmal – es freut mich sehr, dass du vorbei geschaut hast und dir der Artikel gefällt :). Ich denke genau für diese Art von Anfragen ist Instagram ja irgendwie auch gemacht. Man kommt schnell an Informationen. Allerdings vergisst man halt leider oft, dass am anderen Ende eine Person und kein Roboter sitzt ;).

      LG, Sabrina

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