Unser Kaufverhalten im Zeitalter von Instagram & Co.

Ein Unpacking des neuen Pullovers hier, das Unboxing der neuen Designerhandtasche dort und ein kurzes Bild aus einer Umkleidekabine mit dem angesagten It-Teil und der Frage: Take or Toss? In den Instastories zeigt eine Fashionbloggerin gerade ihre neue Jeans für den Frühling bestickt mit einigen Blumen. Die Passform ist toll, sie lässt sich ganz einfach kombinieren und sieht auch zu einem Basicshirt wirklich bezaubernd aus. Und ehe wir richtig drüber nachdenken befinden wir uns auf der Seite des Onlineshops und mit einem “Klick” landet die Jeans in unserem Warenkorb. Einige Tage später klingelt es an der Haustür und wir halten sie endlich in den Händen: DIE Jeans. Wir probieren sie und sind begeistert und zufrieden, doch dieses Gefühl hält nicht lange an, denn gerade zeigt eine andere Bloggerin schon einen neuen Pullover und wieder denken wir uns: „den will ich auch!“.

 

Zwischen sehen und haben liegt oft nur ein Klick

 

In erster Linie sind Instagram und Blogs vor allem eines: eine Quelle der Inspiration. Wir entdecken Onlineshops und Labels auf die wir sonst nicht aufmerksam geworden wären. Wir bekommen Antworten auf Fragen wie: Wie kombiniere ich eine Lederjacke, wem steht welcher Gelbton und wie lässt sich ein Statement Shirt stylen?, die wir uns ohne diese Kanäle wohl nie gestellt hätten. Unzählige Firmen sind auf diesen Zug bereits aufgesprungen und nutzen Blogger als Markenbotschafter. Die Authentizität der Blogger spielt dabei eine wichtige Rolle, denn je mehr wir uns mit ihnen identifizieren, desto mehr lassen wir uns unterbewusst auch zum Kauf verleiten. Ehe wir richtig drüber nachdenken, haben wir schon im Onlineshop danach gesucht und bestellt. Bei vielen Bloggern trudeln täglich neue Pakete ein und dank Snapchat und Co. sind wir jedes Mal live dabei. Wer mithalten will, möchte natürlich auch regelmäßig neue Dinge präsentieren. Und so wird unser Kleiderschrank immer voller, das Konto immer leerer und wir? Werden wir wirklich glücklicher?

 

 

 

Wir sehen was wir sehen wollen

Schnell geraten wir so in einen Teufelskreis und leben entweder über unseren Verhältnissen oder bestellen und schicken es am Ende doch wieder zurück. Viele Blogger bekommen Teile der neuen Kollektion meist kostenfrei zur Verfügung gestellt und erhalten im Gegenzug Werbung in Form eines Bildes und/oder Blogbeitrags. Sieht man es nur aus diesem Blickwinkel erscheinen Instagram und Co. sehr negativ und Blogger zeigen sich von ihrer teuflischen Seite und verführen uns zum Kauf von Dingen, die nicht zu uns passen oder die wir uns nicht leisten können. Wer sich allerdings darauf ausruht, dass er kaufen MUSS, um „in“ zu sein und mithalten zu können, ist selbst schuld. Wir sehen was wir sehen wollen. Also sollten wir uns zunächst einmal bewusstmachen, dass es der Job der Blogger ist uns neue Dinge zu zeigen. Sie bekommen vieles kostenfrei zugeschickt, um durch einen (Blog)Post Werbung zu machen. Das ist mittlerweile ebenso Teil der Marketingstrategie vieler Unternehmen wie Hochglanzmagazine oder Werbespots. Wie in anderen Bereichen des Lebens sind wir auch beim Shoppen letzten Endes für das was wir tun selbst verantwortlich.  

 

Die Frage ist doch, wie sehr wir uns beeinflussen lassen (wollen)

 

Ich bin definitiv der Meinung, dass Instagram unser Kaufverhalten beeinflusst, aber die Frage dabei ist wie sehr wir uns beeinflussen lassen wollen. Sind wir mit einer neuen Handtasche wirklich zufriedener und glücklicher als vorher? Es gibt natürlich wichtigere Dinge im Leben, aber Mode macht eben auch Spaß. Denn mal ehrlich kaum jemand kann behaupten, dass er etwas wirklich braucht. Also brauchen im Sinne von, weil man ohne diese Winterjacke sonst friert oder weil man ohne diese Sneaker kein paar Schuhe hätte. Wir „brauchen“ Dinge, weil es Spaß macht und wir uns glücklich und zufrieden fühlen, wenn wir eine neue tolle Bluse oder eine coole Jeans gekauft haben und am Ende gut aussehen. Wichtig ist dabei aber wie immer das Ausmaß. Also müssen wir einfach mal bewusst innehalten und uns fragen aus welchem Grund wir etwas haben wollen. Weil es die Fashionbloggerin eben präsentiert hat? Weil es alle haben? Viele Teile überstehen deshalb die Anfangseuphorie nicht und werden am Ende kurz vor Ablauf der Umtauschfrist wieder zurück gebracht oder nie getragen. Was zurück bleibt ist die Unzufriedenheit. Bei jedem verstecken sich im Kleiderschrank wahre Schätze, die nur gefunden und neu interpretiert werden müssen. Daher hilft statt shoppen manchmal vielleicht schon ein wenig Fashion-Detox, um einen guten Überblick zu bekommen was wir schon besitzen. Hin und wieder wollen wir aber einfach etwas Neues egal wie viel schöne Dinge wir schon besitzen. Um sich dennoch im Zaun zu halten, gibt es verschiedene Ansätze. Vielleicht hilft euch hin und wieder eine Auszeit von den verschiedenen Social Media Kanälen um dem Teufelskreis zu entgehen oder ihr setzt euch ein festes Shoppingbudget Monat für Monat fest, hinterfragt bei allem was ihr kauft, ob es zu euch passt und euch am Ende in Form von schönen Looks glücklich macht. Und zu guter letzt: Instagram und Co. sind ein toller Austausch zu Mode und Lifestyle, aber eben auch nur ein Ausschnitt aus dem Leben verschiedener Personen. Teilweise werden ganze Pakete gezeigt, aber dann wieder zurück geschickt oder sind durch eine Kooperation zustande gekommen, die nicht als solche gekennzeichnet wurde. Wer sich immer mit anderen vergleicht, hat meist nicht zu wenig im Kleiderschrank, sondern ist häufig einfach unzufrieden mit sich selbst (einen tollen Blogbeitrag dazu hat die liebe Kati verfasst). Vieles das wir zu sehen bekommen sollten wir nicht zu ernst nehmen und am Ende zählt sowieso nur: tue das was dich glücklich macht.

 

Lasst ihr euch durch Instagram und Co. beeinflussen? Welche Erfahrungen habt ihr damit gemacht? 

 

 

 

 

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4 Kommentare

  1. 12/04/2017 / 14:01

    Diesen Artikel kann ich absolut und zu 100 % unterschreiben. Ich ertappe mich selber ständig dabei, wie ich mich zu bestimmten Käufen verleiten lasse. Manchmal ist es hart an der Grenze aber ich halte in der Regel mein monatliches Shoppingbudget ein. Die Entscheidung wie sehr ich mich zu Käufen verleiten lasse liegt definitiv bei mir selbst. Shopping macht mir einfach riesigen Spaß – auch wenn dieser immer nur von kurzer Dauer ist. Allerdings kann ich das auch nicht pauschalisieren. Denn um ehrlich zu sein habe ich an einer Designer Handtasche seehehr viel länger großen Spaß als an einer neuen Bluse von h&m. Natürlich hat dieser Spaß auch seinen Preis aber mir persönlich ist es das einfach wert. Instagram hat mein Interesse an Mode verstärkt und nicht zuletzt auch weiterentwickelt. Wie jede Sache auf der Welt hat Instagram eine gute und eine schlechte Seite und jeder muss für sich selbst entscheiden welche Seite überwiegt. Bei mir ist es auf jeden Fall die Gute! 🙂

    Liebe Grüße
    Verena

    http://www.my-philocaly.com

    • lifestyledbys
      12/04/2017 / 14:20

      Das stimmt und ich finde es auch eher positiv. Man sieht neue Sachen, probiert auch mal etwas neues aus. Ohne Instagram hätte ich meine Liebe zu Rosa nie entdeckt ?. Letztendlich kaufen ja auch wir ein und nicht Instagram, also sind wir immer noch selbstschuld, wenn wir über unseren Verhältnissen einkaufen.

      Liebe Grüße, S.

  2. 30/03/2017 / 13:37

    Ein toller Beitrag und sehr wichtiger Beitrag liebe S.! 🙂 Denn Instagram ist ja längst viel mehr als nur irgendeine App, teilweise verbringen Menschen damit ja Stunden um Stunden und werden beeinflusst. Das kann man heute kaum mehr steuern. Es ist wie dauerhafte Werbung. Ich glaube auch, dass du auf jeden Fall damit Recht hast, dass man immer noch selber zu einem gewissen Teil bestimmt, in wie weit man von den ganzen Verlockungen in Versuchung geführt wird. Jedenfalls dann man etwas älter ist. Dieses bewusste entscheiden fällt Teenagern nämlich noch sehr schwer. Da geht es immer darum im Trend zu bleiben, dass zu haben, was die Anderen besitzen. Man sollte als Blogger immer mit guten Beispiel voran gehen, alles offen kennzeichnen, darauf hinweisen, dass das nur ein Ausschnitt des Lebens ist etc. 🙂 Ich finde es toll, dass du dieses Thema angesprochen hast! vor ein paar Wochen habe ich auch darüber geschrieben und war ganz begeistert von dem Austausch 🙂

    Ich wünsche Dir einen wunderbaren frühlingshaften Donnerstag!
    Liebste Grüße an Dich! ❤ Saskia | http://www.demwindentgegen.de

    • lifestyledbys
      30/03/2017 / 13:40

      Hallo Saskia, es freut mich, dass dir mein Beitrag gefällt, du dir selbst dazu schon Gedanken in Form eines Beitrags gemacht hast und dir auch so viel Zeit für deine Meinung zu diesem Thema genommen hast. Ich muss zugeben, dass ich beim Schreiben in erster Linie an mich und meine Generation gedacht habe. Ich sehe es aber wie du: für Jugendliche ist die Versuchung sicher noch viel größer und es durchaus auch schwieriger zu widerstehen! Ich wünsche dir auch einen schönen Donnerstag und werde direkt mal bei dir vorbei schauen ?.

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